Wie sieht die Drogenproblematik nach der Methadon- und Heroinabgabe aus? Sicher ist dadurch, wie allgemein bekannt, die Beschaffungs-Kriminalität gesunken. Ende gut, alles gut?
Jedes Suchtproblem ist bekanntlich wie ein Eisberg ... - Sichtbar ist oftmals nur die kleine Spitze, etwa 10% - doch die restlichen 90% sind unter Wasser verborgen.
Bei unserer Arbeit auf der Gasse sehen wir auch diese Schattenseiten und wir treffen auf folgende zunehmende Tendenzen:
- Viele Süchtige bekommen von den offiziellen Abgabestellen Methadon und Heroin. Doch ihre Sucht und ihr innerer Hunger wird dadurch leider nicht gestillt :-(... Sie fühlen sich rastlos und gehen trotzdem täglich oder übers Wochenende auf die Gasse und holen sich zusätzliche Kicks oder mit dem Gassenwort "Cocktails" ...
- Methadon bekommt man als Drogenersatz auf ärztliche Verschreibung. Doch einmal damit begonnen, ist der Ausstieg daraus sehr schwierig und muss in kleinen Abbauschritten erfolgen. Wenn man bei 30 mg/Tag angelangt ist, wird man geplagt von extremen Schlafstörungen, dass manche aufgeben und die Dosis wieder anheben. Viele Süchtige greifen in diesem Moment sogar wieder zum Heroin, um den Entzug zu überstehen. Unter ärztlicher und psychiatrischer Begleitung ist es einfacher ... doch teuer und auch so mit Rückfällen verbunden.
- Man rechne sich mal die Kosten, die eine drogenabhängige Person, die in einem Methadonprogramm ist und von der IV lebt, dem Steuerzahler kostet ... Lieber nicht nachrechnen :-(
Wir haben keine billigen Antworten auf diese Probleme und Tendenzen.
Doch wir sehen uns in unserer Arbeit bestätigt und ermutigt, weiterzumachen. Jeder Süchtige, der eine tiefgreifende Veränderung durchmacht und einen Ausstieg schafft, ist ein Grund für eine fette (drogenfreie) Party! ...